Ich würde in der Diskussion gerne mal weg von den emotionalen Fan-Themen und eher raten, über den betriebswirtschaftlichen Sinn oder Unsinn von Investoreneinstiegen - zumindest in den kommenden Jahren - nachzudenken.
Der Hanse Löwe im transfermarkt.de Forum hat das anhand eines einfachen Beispiels ganz schön beschrieben:
Die wahren Gründe, warum man den Verkauf von Anteilen an der Spielbetriebsgesellschaft an Großinvestoren zum jetzigen Zeitpunkt ausschließen sollte: es wäre betriebswirtschaftlich vollkommen unsinnig. Ich würde auch von leichtfertiger Vernichtung von Vereinsvermögen sprechen. Wären wir ein Aktienunternehmen, dann wäre durch den sportlichen Niedergang der Aktienkurs z.B. von 100 auf heute nur noch 20 gefallen. Würden wir heute eine Kapitalerhöhung durchführen, dann müssten Investoren nur noch 20 bezahlen, um sich zu beteiligen an unserer GmbH. Würde man allerdings auf sportlichen Erfolg warten, und führt die Kapitalerhöhung erst durch, wenn sich der Aktienkurs wieder auf 100 erholt hätte, dann müssten Investoren für die gleichen Anteile das Fünffache bezahlen. Du schreibst: momentan würde man keine „Spitzenpreise“ erzielen. Das wird aber der Problematik nicht gerecht: man sollte besser sagen: momentan würde man nur Ramschpreise erzielen. Und deswegen sollte man das auch nicht machen. Ein ganz einfaches Zahlenbeispiel dafür: wenn ich kalkulieren würde, für den Aufstieg in die Dritte Liga 2 Mio an externem Kapital zu benötigen, und der Wert der Gesellschaftsanteile würde dann durch den Aufstieg um 10 Mio steigen, dann sollte ich definitiv besser Fremdkapital aufnehmen und nicht meine Anteile schon in der Regionalliga verscherbeln, weil mich das zusätzlich zum eingesetzten Kapital dann nur die Zinsen (100 TEUR pro Jahr) kostet, und ich im Gegenzug 10 Mio an Anteilswert gewinne.
Und deswegen kann es keine Diskussion um Anteilsverkäufe an externe Investoren geben, bis unser Marktwert die „100“ aus obigem Beispiel wieder erreicht hat. Wann das so ist, darüber kann man natürlich trefflich streiten. Für mich ist es, wenn man am Tor zur Bundesliga steht. Dann kann man aus betriebswirtschaftlicher Sicht anfangen zu streiten und aus ideologischer Sicht trotzdem noch dagegen sein.
Die Anteile sind heilig. Andere Modelle, wie Anleihen, Darlehen, Verbindungsmodelle zur Stadion-GmbH, Transferrechte müsste man sich im Detail ansehen.
Es wäre schön, wenn man auf diese Diskussion den Fokus legen würde, bis ein Verkauf von Eigenkapital zumindest betriebswirtschaftlich nicht mehr ein Irrsinn ist, der dem Arenabau, dem darauffolgenden Verkauf der Arenaanteile, den dortigen Mietverträgen und die Fremdkapital-Finanzierung durch einen erratischen, ahnungslosen Eigenkapital-Investor in nichts nach steht.
Ist schon lustig, dass gerade diejenigen, die meckern, die aktuelle Führung würde vom Geld nix verstehen und würde uns auf Ewigkeiten zum Amateurfußball verdammen, mit einem Investoreneinstieg zum aktuellen Zeitpunkt die nächste jahrzehntewährende wirtschaftliche Grundsatzkatastrophenentscheidung fordern.
Es muss in Fleisch und Blut übergehen, dass bis auf Weiteres der Weg der Eigenständigkeit eben gerade nicht in erster Linie der romantische Weg ist. Es ist der Weg der wirtschaftlichen Vernunft! Nicht des Herzens, sondern der der mittelfristigen Maximierung von knallhartem Cash.