BREXIT und seine Nebenwirkungen

Servus,

da es mich zum Einen persönlich extrem betrifft und das Thema so komplex ist, dass es nicht in den Pegida-Fred passt, eröffne ich mal mit meinen Gedanken zu dem Thema:
Grundsätzlich wurde die Vote-campaign extrem unsachlich und populistisch geführt - allerdings von beiden Seiten.
Boris Johnson und Nigel Farage hatten die nachdrücklichere und aggressivere Kampagne geführt, was vielleicht einen kleinen Ausschlag gegeben hat.
Ich sehe dieses „Land“ (es ist ja eigentlich kein Land, sondern ein erzwungener Bund) seitdem ich hier lebe verbunden mit einem latent rassistischen Hauch.
Kein Brite würde jemals direkt darüber sprechen, dass Sie sich immer noch als Kolonialherren und als die Herrschaftsrasse sehen und fühlen (ich spreche hier nicht von allen Briten!). Es herrscht latente Arroganz gegenüber anderen und das Bewusstsein etwas besseres zu sein.
Diese versteckte Ansicht ist nun offensichtlich geworden und das Land steht zerstritten vor einem Scherbenhaufen, da die Remain-seite das Ergebnis nicht versteht und die Leave-Seite als Dumm bezeichnet, Sie würden das Land mit offenen Augen gen Abrund führen.
Hinzu kommen die vielen Kolonialimmigranten 3. oder 4. generation, die auf das Thema „Stop Immigration“ lustigerweise am Meisten aufgesprungen sind, da Sie Angst haben, dass nun andere Ankömmlinge Ihnen das Aufgebaute wegnehmen könnten.

Das Dilemma ist nun, dass niemand wirklich korrekt informiert hat, was danach eigentlich passiert. Heute war den ganzen Tag im Radio auf allen Kanälen guter Rat teuer und man erkennt langsam, dass die Verhandlungen mit der EU doch nicht so einfach werden. Dazu kommt, dass ein tiefer Graben durch die Gesellschaft geht, der allerdings schon immer da war, der nur jetzt ersichtlich wird. Von dieser Perspektive hat es auch etwas gutes. die versteckten braunen Ängste der Menschen kommen endlich mal an die Oberfläche und man sieht leider (in ganz Europa), dass man anscheinend doch nicht die richtigen Lehren aus den verheerenden Kriegen gezogen hat und sehr vielen Menschen diese Ansichten weiter mit sich tragen.

Grüße von der Insel - mal schauen, wie lange ich meinen Job hier noch haben werde…

Ehrlich gesagt glaube ich eigentlich dass das Ganze ziemlich unspektakulär werden wird. Jetzt müssen die Briten erst einmal einen Antrag stellen, dann passiert 2 Jahre so gut wie nichts. Während der Zeit müssen sich EU und GB einigen. Einigen sie sich nicht können die Engländer wohl trotzdem austreten. Dann kommt es eben auf konkrete Verhandlungsergebnisse an.

Die Engländer hatten schon immer viele Sonderrechte, sind nicht in der Währungsunion, soviel ich weiss nicht im Schengen Raum, haben sogar eigene Maßeinheiten und fahren mit dem Auto auf der verkehrten Seite. Auch militärisch sind sie eine der stärksten europäischen Staaten.

Ein Problem ist natürlich dass die EU den Eindruck vermeiden muss dass es in England nach dem Ausstieg besser läuft. Allerdings könnte es auch passieren dass einige europäische Staaten wirklich irgendwann wegkippen und dann wird es vor allem für diejenigen teuer die noch in der EU mitmachen. Die Engländer können sich dann zurücklehnen und sich auf die Schultern klopfen.

Ich vermute mal Deinen Job wirst Du behalten können. Was ich natürlich nur schwer beurteilen kann ist ob es jetzt zu Panikreaktionen kommt. Norwegen und die Schweiz sind ja auch nicht so richtig dabei und ehrlich gesagt scheinen beide Staaten auch keine besondere Eile zu haben an dieser Situation etwas zu ändern. Zumindest Norwegen lockt auch jetzt immer noch relativ viele Fachkräfte aus anderen Staaten in ihr Land. Die Schweiz ist oberflächlich etwas reservierter, allerdings arbeiten auch dort relativ viele Menschen aus anderen Staaten.

Die Kampagne der Brexit Befürworter war stark vereinfachend und recht populistisch. Wie die Bevölkerung reagiert wenn viele Versprechungen nicht eingehalten werden (z.B. dass man das Gesundheitssystem durch eingesparte EU Zahlungen finanziell deutlich besser ausstatten könnte) muss man sehen.

Servus und danke für die Gedankenteilnahme.

Grundsätzlich stimme ich dir zu. Die Märkte werden sich relativ schnell einpendeln und es ist zunächst mal an den Torys eine neue Führung zu finden, die die Verhandlungen führen kann. Da wird noch einiges Wasser die Thames hinunter fließen, bis der Austritt konkret wird.

Für hier ansässige EU-Bürger passiert kurzfristig auch erstmal nichts. mittelfristig wird man abwarten müssen, wie sich die beiden Seiten einigen werden.
Es ist davon auszugehen, wie von Dir erwähnt, dass die EU nicht gerade zimperlich sein wird, um ein Exempel zu statuieren, wobei sich das allerdings wieder mit den wirtschaflichen Interressensverbänden beißen würde.

Ich sehe sehr wohl auch gute Argumente der BREXIT-seite, die allerdings in der Kampagne kaum zu Thema geworden sind.
Was mich grundsätzlich stört und beunruhigt ist die latente aggressive Stimmung, die sich bei der Ermordung von Joe Cox gezeigt hat. Die Stimmung ist leider durch das Ergebnis noch schärfer geworden.
hinzu kommt, dass dieses Ergebnis eine Signalwirkung an alle rechten Ränder Europas ist: National ist wichtiger als Gemeinsam - Behalten ist besser als Teilen.

Ich bin kein Fan der EU und finde kleinere politische Entitäten effektiver und wirkungsvoller (Estland als gutes Beispiel), allerdings bringt es nicht die Türe zuzumachen.

Nix für Ungut - spannend bleibts

Edit hat noch einen guten Artikel gefunden:

http://www.jetzt.de/politik/der-politikwissenschaftler-und-halbbrite-alexander-spencer-ueber-den-brexit

Ich sehe das alles als wesentlich drastischer.

Dass einige Banken ganze Bereiche auf den Kontinent verlegen werden, scheint eh klar.

Viele Firmen, vor allem amerikanische (wie mein Arbeitgeber), haben die europäische Zentrale in England oder Schottland. Man braucht den direkten Zugang zur EU, nutzt die niedrigen Löhne und hat von den USA aus keine Sprachprobleme mit der Europazentrale.

Es wird da viele Abwanderung geben (Irland, Polen, Ungarn, Tschechien) was die Fertigung angeht. Hier ist dann auch die Diskussion mit Schottland interessant.

Meine Firma hat neben USA und China die Fabrik in England wegen der EU aufgebaut. Da werden die kommenden Wochen spannend. Da sind einige EU Bürger in guten Positionen beschäftigt, die mit Familie dort sind. Da wird sich einiges verschieben. Über Budgets, Gehälter und anderes, das alles auf £ Basis bewertet ist, will ich gar nicht nachdenken.

Was wird hier mit Investitionen werden? Welche Richtung will man in den kommenden Jahren einschlagen?

Ich gehe davon aus, dass in den kommenden Tagen das £ noch fallen wird und dann die komplette Finanzplanung der amerikanischen Mutter neu überdacht werden muss.

Jetzt muss man sich diese Überlegungen in 1000 Unternehmen vorstellen! Die Aussagen von BMW und Airbus deuten schon darauf hin.

Es wird spannend.

Ich hab auch schon gehört das man ein Fahrzeug nun umplant und nicht in England bauen will, der neue Mini, da dort nun die Produktionskosten in die höhe steigen, wie genau weiß ich auch nicht. aber viele Autohersteller würden wohl neue Werke in der EU aufbauen und in England schließen.

@Löweninsel

Da meine Frau aus Estland kommt und ich alle 2 Jahre vor Ort bin um ihre Familie zu besuchen, würde mich gerne interessieren, wie du Estland als gutes Beispiel nehmen kannst, was ich dort erlebe hab ist eine sehr starke form von Kulturtrennung, die Esten die nur Russisch sprechen leben fast ausschließlich im Osten und wollen nicht mit den richtigen Esten was zutun haben und anders rum genau so, dieses Land versprüht keine Einheit, Integration ist null vorhanden, da im Osten zum Teil sogar ganze Schulen auf Russisch gehalten werden, das ganze Leben dort wird nur auf Russisch gelebt, zwar sind alle Ämter auf Estnisch, aber dort sprechen halt die meisten dann Russisch…

Was man Estland aber zu gut halten kann ist, mit der EU hat sich das Land fast saniert, vieles dort steht nur wegen der EU das meiste wird Subventioniert, ohne die EU würde es dort nicht gut aussehen…

Großbritannien hat eine starke Verhandlungsposition denn ganz sicher hat die EU kein Interesse z.B. ein Niedrigsteuerland vor der Haustür zu haben. Was das Pfund betrifft so kann das einem amerikanischen Unternehmen sicherlich Bauchschmerzen bereiten aber ob gerade der Euro da in einer besseren Position ist?

Die Norweger und Schweizer haben sicherlich andere Probleme als eine weiche Währung. Die Schweizer Notenbank versucht seit Jahren die Aufwertung des Franken im Zaum zu halten. Das Pfund dürfte gerade wenn es in der EU mal wieder kriseln sollte als sicherer Hafen gelten.

Das England jetzt ein Niedriglohnland wäre ist mir neu insofern bin ich ein wenig verwundert über den Kommentar von Tower dass viele Unternehmen jetzt ihre Produktion verlagern könnten. Bei Irland stimme ich Tower allerdings zu. Die könnten zu den großen Profiteuren gehören da die ihre Standortvorteile mit einer EU Mitgliedschaft kombinieren können.

Großbritannien ist ein Importland d.h. die EU hat selbst ein Interesse daran die Handelsbarrieren niedrig zu halten damit die Briten weiter fleissig bei uns einkaufen. Meine britische Marmelade (das dürfte es auch fast gewesen sein mit britischen Produkten) ist jetzt schon sau-teuer, schmeckt aber lecker (Wilkin & Sons).

Wäre da noch die Finanzindustrie welche angeblich in England hockt wegen dem Zugang zur EU. Ich meine die hocken da weil England einfach einen sehr deregulierten Finanzmarkt hat und die dort tun und lassen können was sie wollen. Das wird zukünftig vielleicht sogar noch einen Tick attraktiver. Ein Thema wäre die Börsenumsatzsteuer, welche man seit Jahren in Europa etablieren möchte (einzelne Staaten experimentieren damit auch ein wenig). England kann sich da jetzt bequem zurücklehnen.

Im Prinzip glaube ich dass die EU eine riesige Umverteilungsmaschine ist d.h. die reichen Staaten geben etwas ab und ärmere Staaten bekommen etwas dazu. Ich finde das eigentlich richtig auch wenn es persönlich manchmal ein wenig schmerzt dass man gerade mit diesem Kack Euro fast nichts Werthaltiges mehr kaufen kann und niemand mehr Zinsen zahlen möchte.
Die Engländer können sich diesem Spiel zukünftig entziehen, was aus egoistischer Sicht durchaus richtig sein kann wobei die Engländer bisher schon bei vielem was weh tut gar nicht mitgemacht haben.

Meiner Meinung nach hat der Brexit durchaus das Potential dass die EU das Rad wieder zurückdreht. Starke Staaten (außer Deutschland) könnten versuchen sich aus der Gemeinschaft zu verabschieden und schwache Staaten verzweifelt an die Rest EU klammern. Dann funktioniert aber irgendwann das Prinzip nicht mehr. Aber an dieser Entwicklung sind nicht nur die Briten Schuld. Auch ein Herr Orban steht zur Zeit als großer Gewinner da weil er die Flüchtlingsproblematik für sein Land relativ „elegant“ gelöst hat.

Ich hoffe UK verlässt so schnell wie möglich die EU. Schottland kann dann sein Unabhängigkeitsreferendum stellen und bei positivem Ausgang wieder aufgenommen werden.
Ich bin mittlerweile froh über den Brexit, dann geht in der EU auch mal was voran. Bisher haben die Briten doch nur gebremst und wollten immer und überall eine Extrawurst.

Am meisten leid tut es mir für die junge Generation, die ja mit überwältigender Mehrheit für einen Verbleib gestimmt hat. Wenn es ein Mindestwahlalter gibt, sollte es auch ein Höchstwahlalter geben. Wenn irgendwelche senilen Greise wählen dürfen, warum werden dann 16-jährige ausgeschlossen, die im Gegensatz zu den Alten ihr Leben noch vor sich haben und mit den Konsequenzen leben müssen ?

Nachdem die ersten Auswirkungen bekannt wurden, geht der Tenor
mittlerweile in die Richtung „das haben wir gar nicht gewollt“ und „wir
wollten denen da oben nur eins auswischen“ etc.
Davon sollte sich die EU jetzt aber nicht einlullen lassen.

Das ist ein gutes Beispiel wozu stupides Protestwählen führen kann!

Bye Britain

England ist ganz klar ein Billiglohnland. Es gibt dort sehr viele Fabriken mit hohem Anteil an manueller Arbeit und sehr hohen Anteil ungelernte Arbeiter. In Deutschland könnte man diese Art der Fertigung kaum zahlen.

Alleine wenn man die Gehaltsbudgets für Mitarbeiter in Deutschland diskutiert, bekommt man eine Idee zum Gehaltsgefüge. Damit meine ich nicht das Management oder das Engineering. Es gibt sehr viele Niedriglohnjobs in England.

Ein Problem stellen auch die Immobilienpreise dar. Die sind oft sehr hoch und ich befürchte da eine flächendeckende Überschuldung wenn die ersten Jobs wegfallen. Dies könnte eine Spirale in Gang setzen, die nicht so leicht aufzuhalten ist.

Ich glaube auch, dass es ein Fehler ist, nur reine Geldflüsse innerhalb der EU zu betrachten. Entscheidend ist der Binnenmarkt und einheitliche Normen. Wenn ich für die EU produziere, halte ich die entsprechenden EU Normen ein. Ohne EU müsste man auf die Normen jedes einzelnen Landes Rücksicht nehmen. Im Extremfall gibt es für jedes Land in das exportiert wird, eine andere Produktvariante. Im Moment wird das für England bzw. UK keine Rolle spielen. Im Laufe der Jahre wird man sich aber mehr und mehr entfernen. Was das für die Warenproben und die Verfügbarkeit bedeuted, kann man sich vorstellen. Wenn man aber einfach die Bestimmungen der EU übernimmt, ist man von der Selbstbestimmung, die man ja wollte weit entfernt.

Man wird in den kommenden Jahren einen Stillstand der Investitionen sehen und anschließend das wirkliche Inseldasein in der Isolation genießen können.

Ein Vergleich mit der Schweiz hinkt ein wenig. Unternehmen aus der Schweiz haben in aller Regel ein technologisch deutlich höheres Niveau als in UK und basieren nicht auf niedrigen Löhnen. Die sind von Anfang an einen eigenen Weg gegangen. Das ist schon etwas anderes, als mittendrin auszusteigen und einen Neuanfang zu starten. Jetzt plötzlich Ansprüche zu reduzieren, weil man erst einmal „Aufholen“ muss, ist nicht einfach zu erklären.

In die Schweiz zu exportieren ist meist teurer (dort zahlt man dann auch die höheren Preise) als in EU Länder. Dies würde bedeuten, dass alle eingeführten Waren für UK teurer werden. Industriepreise für die Schweiz liegen oft um 10 % höher als für Frankreich oder Italien. Entsprechend höhere Preise müssen die Waren erzielen, wenn man sie wieder an dir EU verkauft. Wenn ich die Industriegüter aus der Schweiz ansehe und mit denen aus UK vergleiche, sehe ich da meist deutliche Unterschiede. Es wird also bedeuten, dass Waren teurer eingeführt werden, aber nicht teurer in die EU verkauft werden können, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Entsprechend wird die Lohnentwicklung in UK sein. Jetzt kommen dann wieder die Immobilienpreise ins Spiel …

England hat doch einen Mindestlohn von 6,70 GBP. Angeblich sind 5% der Arbeiter von dessen Höhe direkt betroffen. Das ist zwar für ein Land mit relativ hohen Lebenshaltungkosten erschreckend wenig (das gilt meiner Meinung nach aber auch für Deutschland) aber weit über den Zahlen von Ländern wie Polen oder Rumänien.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/37401/umfrage/gesetzliche-mindestloehne-in-der-eu/. Wobei die Zahlen jetzt verfälscht sind weil der Kurs des Pfund erst einmal eingebrochen ist.
Ich bin mir aber nicht sicher ob sich jemand der zum Mindestlohn arbeitet überhaupt eine Immobilie in England leisten kann. Deren Immobilienpreise sind ja noch verrückter als bei uns. Ich will aber Deinen und auch andere Beiträge nicht in Frage stellen. Da sind schon einige Aspekte enthalten über die ich mir erst Gedanken machen muss.

Natürlich ist es ein wenig provokativ, England als Billiglohnland zu sehen. Die Lebsnhaltungskosten sind relativ hoch und die Immobilienpreise einfach wahnsinnig hoch. Die Europazentrale meiner Firma ist in Southampton. Southampton und Eastleigh haben zu 52% bis 53% für den Ausstieg gestimmt. Die Häuserpreise kannst Du mit dem Umland von München vergleichen. Den Rest leider nicht. Die Leute zahlen entweder sehr hohe Mieten oder sehr hohe Darlehensraten. Meine Firma ist nur eine von vielen (ähnlich sieht es in Farnborough oder Basingstoke aus). Da werden Produkte gebaut (meist zusammengebaut) die in die EU geliefert werden. Lieferung innerhalb von 24 Stunden per UPS, das ist das Hauptargument, ebenso wie indiviuelle Fertigung (hoher Anteil an manueller Arbeit). Wie vielerorts üblich, arbeiten ganze Familien dort (Eltern und Kinder). Wenn nun so eine Fabrik verlagert wird und wenn auch nur über längere Zeit (neue Linien entstehen dann vielleicht in Irland und die Fabrik schrumpft stückweise) dann kann man sich ausmalen, was das für einen sozialen Brennstoff erzeugt.

Ein weiteres Problem stellen jetzt die „Ausländer“ dar. Man hat den Wahlkampf mit dem Argument geführt, die Ausländer sind an den nicht steigenden Löhnen, den hohen Mieten und dem maroden Gesundheitssystem schuld. Jetzt will man die Ausstiegsverhandlungen nicht vor Ende des Jahres angehen. Man will also erst einmal die „Ausländer“ dort lassen, wo sie sind. Ich kann mir das Konfliktpotential vorstellen … Das kann ein heisser Sommer werden. Wenn man einmal die „Büchse der Pandorra“ geöffnet hat, kann man nicht mehr abwarten.

In den oben genannten Firmen arbeiten ausländische Manager und einheimische Arbeiter. Das gepaart mit Unsicherheit und Investitionsabfluss - ob man alle diese Auswirkungen bedacht hat, möchte ich bezweifeln.

so leid es mir tut, aber ich hoffe, dass den Engländern jetzt ihr Vereinigtes Königreich sauber um die Ohren fliegt. Man hat es jahrzehntelang versäumt, die eigene Kolonialgeschichte + Unterdrückung der Schotten und Iren aufzuarbeiten und zu hinterfragen, dann braucht sich auch niemand wundern dass das Empire noch in den Köpfen vieler Menschen besteht, mit der damit verbundenen Meinung dass es England auch alleine kann. Ein unabhängiges Schottland und ein vereinigtes Irland sind sowieso schon längst überfällig, auch aufgrund der mangelnden Selbstkritik der Engländer. Außerdem ist es in der EU einfacher, wenn die Engländer - die sowieso immer mit der EU gefremdelt haben und Extrawürste wollten - draußen sind und nur noch diejenigen dabei sind, die auch wirklich hinter der Idee stehen. Wie die Schotten und die (Nord-)Iren, die mMn eine Bereicherung für die EU sind.
Das einzige was ich wirklich bedauere, ist dass viele Briten mit einem Teil ihrer EU-Kritik - betreffend den überbordenden Lobbyismus, undemokratische Strukturen und Intransparenz - Recht hat. Wenn die EU sich jetzt selbst hinterfragt, die kritischen Punkte angeht und strukturelle Reformen angeht, wäre es für den Rest der EU super ! Gerade diejenigen, die den Stein des Anstoßes dazu gegeben haben, werden dann aber leider nicht mehr davon profitieren können.

@oidädinger ich kann Dir überwiegend zustimmen und die nächsten Jahre werden zeigen, wohin die Reise geht.

Vielleicht stehen bald die Flüchtlinge am anderen Ende des Tunnels, oder die Schlauchboote kommen über den Ärmelkanal …

Tervist!

Is ja super hier einen Löwen mit Estland-bezug zu treffen. Ich liebe das Land und die Leute, habe dort viele Freunde, da ich dort 18 Monate gearbeitet und gelebt habe - in Tartu, Tallin und Räpina, ein kleiner Ort am Peipsi.
Klar mögen die Esten die Russen nicht. Das ist historisch und auch gegenwärtig verständlich.
Diese Problematik ist allerdings noch ein Überbleibsel der Sowjetzeit, während derer im ganzen roten Reich absichtlich munter durchgemischt wurde, um das nationale Denken zu brechen und Aufstände zu verhindern - dadurch ist (natürlicherweise) das Gegenteil eingetreten.
Das Land hat EU-Hilfen zum Aufbau erhalten, das ist richtig. Ich habe allerdings selbst mitbekommen, welche Vorteile es hat, ein kleines Land zu sein. Man ist zwar durchaus verletzlicher, aber gerade eben durch die EU hat das Volk Sicherheit gegenüber Russland erhalten.
Was ich sagen wollte ist, dass ein kleines Land mit wenigen Einwohnern kurze Wege hat. Ein Staat ist eine Organisation. Je größer und je mehr Einwohner, um so schwieriger ist es etwas durchzusetzen. Die Esten sind in vielen Dingen genau deshalb den westlichen Staaten einiges Voraus (Internetzugang, Bildungsorganisation). Viele gute Ideen können viel schneller umgesetzt werden.
So habe ich das damals erlebt.

… sorry ist eigentlich bisschen Off-Topic, wollte eben damit sagen, dass die schwerfällige EU-regierung eben meiner Meinung nach nicht funktionieren wird. Es müsste ein Staatenbund entstehen, in dem die meisten Entscheidungen souverän gefällt werden können. Ich find da Deutschland schon zu groß.

Head aega!

Dipfescheisser:
Der ist dieses Jahr auf 7,20 erhöht worden :wink:

Danke Tower, sehr interessanter Blickwinkel.
Welche Firma ist das, wenn ich fragen darf?

Deine Ansatzpunkte sind mit Sicherheit nicht falsch, allerdings - wie Du auch schon gesagt hast - ist eben alles unsicher.
Gerade der Effekt auf die anderen Euroländer und was die EU nun macht wird entscheidend sein.

Sollte sich die EU fangen, die erstarkten Eurogegner und teilweise arg braune Soße nicht überlaufen, wird es in erster Linie den Briten weh tun.

Sollte allerdings zum Einen ein bereits angesprochener Dominoeffekt eintreten und dazu die EU nicht kapieren, dass extreme Reformen notwendig sind, um das Konstrukt zu halten, bzw. zu verbessern, dann sehe ich die Position der Briten nicht schlecht, un es würde heißen: Wir haben das als erster erkannt und haben uns gerade noch rausgezogen.

Die Stimmung die in den deutschen/ internationalen Medien wiedergegeben wird, spiegelt auch nur einen Teil wieder. Die Meisten, die dagegen waren, sind auch dagegen und waren es schon immer latent.

Mein Gefühl momentan ist ungut. Es liegt genau diese Spaltung in der Luft gepaart mit vielen Emotionen. Dass die Remain-Seite die Leave -Seite nun als Idioten bezeichnet, die kein Hirn haben oder eben keine Bildung und die alles zerstört haben, trägt nicht unbedingt dazu bei, dass das alles mal sachlich angefasst wird.
Ist wahrscheinlich ähnlich wie in Deutschland mit den AfD-Wählern.

Zum Ans-Hirn-klatschen dann die Aussagen von Harry Kane: „Äh ja keine Ahnung, wir haben das gar nicht so verfolgt und haben auch keine Meinung dazu…“
http://www.ibtimes.co.uk/euro-2016-harry-kane-giorgio-chiellini-manuel-neuer-react-brexit-1567376
find ich einfach nur katastrophal. Hat denn ein Jungmilionär keine Meinung? Ach so, das Geld wird eh aufs Überseekonto verschifft - na dann.

Löwengrüße

Privat wird er schon eine Meinung haben. Aber sich als Sportler politisch zu positionieren, ist keine gute Idee. Es wird Neutralität verlangt, erst recht von Nationalspielern.

In den nationalen und internationalen Wettbewerben ist es, zum Glück, ohnehin verboten.

Brexit? Gut so, die EU hat nichts mit Europa am Hut, deshalb wird es Auflösungserscheinungen geben. Ich denke mal die näxten werden die Niederländer, Österreicher und Franzosen sein, die zumindest darüber nachdenken. Entweder die EU wird dem Sinn Europas gerecht, oder es wird ein paar Brüssel-Lobbyisten weniger geben. So what, es gab auch eine Zeit vor der EU. Oder werden wir jetzt alle sterben? Übrigens, wie es den Märkten geht, interessiert mich einen Dreck.

mich auch, solange das keine Union der sozialen Gerechtigkeit und gegen die Konzerne wird, statt eine nur für Letztere zu sein, fuck’em.

Der britische Filmemacher Ken Loach meinte ja, er würde trotzdem in der EU bleiben, damit sich die linken/sozialen Kräfte besser verbünden könnten. Kann ich ja nicht so ganz nachvollziehen. Dass man die rechten Krawallbrüder auch auf seiner Seite weiß gibt mir da eher zu denken. Ist auch nicht so toll, das richtige Ergebnis mit der völlig falschen Begründung zu haben.

Grundsätzlich hege ich großes Mißtrauen gegen sämtliche überregionale politische Institutionen.
Deshalb glaube ich, dass genau das Gegenteil von dem eintreten wird, was uns die EU Politiker und deren gesteuerte Medien weiß machen wollen.

Nachwievor wird jedes Unternehmen der Privatwirtschaft hauptsächlich über den Aspekt der Wirtschaftlichkeit entscheiden ob es in England bleibt, von dort verschwindet oder sich dort ansiedelt.
Auf der Insel tut man sich nun leichter, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die Rest EU hat m.E. Ein riesen Problem.
Sollte der Brexit da drüben funktionieren und es denen nachweislich besser gehen als vorher, fliegt uns nämlich die EU um die Ohren.

Es kommt alles drauf an, wie die Volksentscheidung nun umgesetzt wird und von wem.

Ich finde den Aspekt mit der Verbindlichkeit des Referendums nicht ganz uninteressant. Würde das nicht um Umkehrschluss bedeuten dass noch eine Entscheidung im Parlament erforderlich ist und wie lässt sich dann dort eine Mehrheit organisieren wenn angeblich eine große Mehrheit für den EU Verbleib ist!?

Ich vermute mal in Großbritannien könnte es in absehbarer Zeit Neuwahlen geben und dadurch könnte man eventuell sogar einen Verbleib in der EU politisch legitimieren, z.B. indem Labour mit dem Versprechen antritt den Austritt nicht zu erklären und die Wahl gewinnt. Selbst die Konservativen könnten sich zu diesem Schritt entschliessen und dann stünde die UKIP doch fast alleine da!?

Ich habe große Zweifel dass dieser Austritt jemals vollzogen wird, bin mir aber gar nicht so sicher ob sich die Briten damit, zumindest auf längere Sicht, einen Gefallen tun.