BREXIT und seine Nebenwirkungen

In einer Zeit in der uns die Chinesen mit allem möglichem überfluten ohne in der EU zu sein (von Agrarprodukten über sämtliche Elektronik, Kleidung, Rohstoffen) erzählen wir die große Story vom angeblich so wichtigen EU Binnenmarkt.

Ich glaube nicht dass es zu einem Brexit kommt weil niemand den Mumm hat das durchzuziehen aber wenn dann ist es gar nicht so unwahrscheinlich dass es so ausgeht wie das Rauchverbot in Restaurants. Ja, der Zoll würde anfangs erheblich mehr zu tun haben, wobei z.B. deutsche Produkte welche in das Ausland ausgeführt werden von unserer Seite erstmal größtenteils zollfrei sind.
Das behauptet zumindest der Zoll.

Mir wäre es lieber wenn sich die EU reformieren würde bevor einzelne Länder freiwillig ausscheiden. In einzelnen Ländern ist die Stimmung sowieso am Tiefpunkt, wobei sich ein Großteil der Probleme meiner Meinung nach auf den Euro konzentriert und da ist Großbritannien ja gar nicht dabei.

Meine Tochter war erst in Norwegen und es hat ihr super gefallen. Die Norweger haben auch gar keinen so unglücklichen Eindruck gemacht.

Um es klar zu sagen. Falls es zum Brexit kommt wird von den Vorteilen welche sich viele Briten erhofft haben vermutlich fast nichts übrig bleiben. Aber für die meisten Menschen dürfte sich auch relativ wenig ändern. Sollten die Briten sich später zur Rückkehr entscheiden wäre zumindest der bisherige Rabatt aus der Thatcher Zeit Vergangenheit.

das ist ja auch keine Kunst, bei einem Staat der im Ölgeld schwimmt.

Nein, von mir aus können Sie auch gern ohne Deal austreten (solang Sie Schottland und Nordirland es ebenso freistellen). Die ganzen Sonderwünsche ala „I want my money back“ gingen mir eh auf den Keks.
Aber um aus der politischen bredouille der unfähigen englischen Parteien rauszukommen (v.a. Tories und labour) rauszukommen - es gibt für nichts eine Mehrheit - sollte das Volk befragt werden. Auch wenn die Fragestellung natürlich auch politisch knifflig wird. Vielleicht ja mit Stichwahl und 2 wahlgängen…

Zu Norwegen :das wollen ja die brexiteers natürlich auch nicht. Übernahme ler eu-Regelungen inkl. der Freizügigkeit ohne eigene Mitbestimmung. Als Norweger würde ich schon längst in die EU wollen (gibt ja auch immer noch starke Bestrebungen trotz 2 gescheiterter referenden).

Meine Tochter war auch kürzlich in der Schweiz, die wirkten auch recht zufrieden aber ich gebe zu wenn Du schon über Norwegen moserst wird die Schweiz nicht viel besser abschneiden.

Vielleicht werden in London ja die Mieten günstiger, das wäre nun wirklich eine echte Katastrophe.
Aber wie gesagt ich glaube nicht an einen Brexit insofern ist das eine eher theoretische Diskussion. Jeremy Corbyn möchte ja interessanterweise auch nicht zwingend in der EU bleiben da er u.a. der Meinung ist dass die EU ein Konstrukt der Eliten ist um die „Many“ besser ausbeuten zu können. Ich teile diese Meinung, könnte mir aber durchaus eine andere EU vorstellen.

Es ist ja bezeichnend dass die Arbeitsbedingungen selbst in Deutschland teilweise anscheinend so schlecht geworden sind dass selbst der Rumäne oft schon keinen Bock mehr hat. Jede zweite Krankenschwester aus dem Kosovo möchte angeblich ins gelobte Deutschland, jeder vierte Arzt ebenso. Was das für ein sowieso schon armes Land bedeutet wenn ihre Zukunft ins Ausland geht ist eine offene Wette mit unegwissem Ausgang.

Das tragische am Brexit ist, wenn er denn kommt. dass sich die Situation für ganz viele Menschen nicht verbessern wird. Das ist aber genau das was sich viele erhofft haben, und was ihnen auch versprochen wurde.
Leider ist auch die EU daran interessiert den Brexit besonders grausam zu gestalten damit es ja nicht zu Nachahmern kommt. Das verhandelte Paket war so schlecht dass Hardliner, meiner Meinung nach zu recht, gesagt haben dass gar kein Deal in diesem Fall tatsächlich die bessere Lösung gewesen wäre.

100% deiner und Corbyns Meinung. Solange die EU eine reine Wirtschaftsgemeinschaft bleibt (so war sie ja auch von Anfang an angelegt) solange bleibt das eine Konstruktion die nur den Kapitalverwertungsinteressen und nicht den Menschen zugute kommt.
Ein Gutes seh ich am Brexit. Corbyns Stunde könnte jetzt in England schlagen. Darauf warten die Sozialisten schon seit Rosa Luxemburg (fällt mir nur ein weil man grad dem 100 Todestag gedenkt)

Darauf werden sie wohl auch noch länger warten. Corbyn und seine Partei haben doch selbst auch keinerlei Plan wie mit der Situation umzugehen sei. Der Misstrauensantrag gegen May wird scheitern und das war’s dann auch. Neuwahlen wird es so schnell nicht geben. Und die Argumentation, EU bedeute neoliberalen Raubtierkapitalismus (wo hingegen ausgerechnet in GB natürlich schon immer sozialistische Paradieszustände herrschten, spätestens seit Thatcher)…sorry, das ist mir dann doch büschen arg einfach. Und falsch.

Neu wäre mir auch, dass sich GB während seiner EU-Mitgliedschaft explizit für Arbeitnehmerrechte und das Schicksal der Mühseligen und Beladenen eingesetzt hätte. Aber vielleicht irre ich mich ja auch. Ihr klärt mich sicher auf.

Das ist fürwahr tragisch. ;)

das wäre verschmerzbar, aber ich fürchte, dass das auch für Whisky gelten wird

Irischer whisky is eh besser:)

Nein Du irrst nicht aber auch Großbritannien ist wohl ein tief gespaltenes Land und vor allem der Erfolg der Finanzindustrie hat durchaus auch viele Verlierer produziert, oder wegen mir auch viele welche sich als Verlierer fühlen. Die EU mit neoliberalen Raubtierkapitalismus gleich zu setzen schiesst vermutlich über das Ziel hinaus. Aber auch hier sollte man vielleicht nicht nur von Deutschland aus auf die EU blicken. Die Italiener warten heute noch auf den versprochenen Aufschwung, stattdessen ist u.a. Fiat inzwischen ein niederländischer Konzern geworden denn Steuervermeidung für große Konzerne gehört in der EU leider mit zum Konzept.

Entweder hast du mich nicht verstanden, ich mich nicht deutlich ausgedrückt oder beides.
GB war seit Thatcher (incl der Zeit Toni Blair) Wegbereiter des Neoliberalismus. Natürlich haben die seit dem auch nix in für Menschen sondern nur für den freien Fluss und die Vermehrung des Kapitals getan.
Das Misstrauensvotum gestern war eine Chance für Neuwahlen, aus denen vermutlich Labour unter Corbyn als Sieger hervorgegen würde. Da der Corbyn ein sehr linkes Programm hat, wäre das das erste mal, dass jemand mit so einem Programm eine demoktatische Mehrheit bekommen würde (zumindest in Europa). Darauf bezog sich mein Verweis auf Rosa Luxemburg, die eine gewaltsame Revolution nie als Lösung gesehen hat, sondern meinte, wenn sich der Sozialismus durchsetzen soll, geht das nur über eine Mehrheit im Volk. Darüber stritt sie sich z.b. auch mit Lenin der das bekanntermassen anders sah und auch entsprechend handelte.

Der Zusammenhang bzgl GB wäre für mich also: die Engländer haben es mit dem Neoliberalismus inzwischen so übertrieben, dass es dort inzwischen eine Mehrheit für einen sehr linken Kurs geben könnte (obwohl auch dort von allen Seiten gegen Corbyn und seinen Kurs gehetzt wird). Dazu bräuchte es allerdings Neuwahlen die die Torries fürchten wie der Teufel das Weihwasser. Darum hat May das gestern auch knapp überlebt.

Man stelle sich vor…Brexit… und es funktioniert…

Klar funktioniert’s. Ist ja nicht so, dass ein Leben vor der EU nicht möglich war.
Man kann auch ohne Internet, ohne Feuer und ohne fließend Wasser durchkommen. Nur braucht man sich nicht wundern, wenn es beschwerlich ist und man abgehängt wird.

Werden wir in ein paar Jahren ja sehen.
Die Briten werden wohl kaum in der Steinzeit landen.

Tja, ich sehe es ja grundsätzlich auch nicht grad positiv, heißt ich bin nun wirklich kein Verfechter der EU in der derzeitigen Verfassung und Ausrichtung. Dennoch ist sogar diese hardcore-neoliberale Konzernschonungsveranstaltung in einigen wenigen Bereichen immer noch besser als wenn die gleiche Einstellung auf rein nationalstaatlicher Ebene durchgezogen würde. Das werden die Briten sicher dann noch auf die harte Tour lernen müssen.

Die Arbeitsbedingungen in Deutschland sind so schlecht, daß kaum ein Rumäne mehr Bock hat?
Andersrum ist es: Die Rumänen haben Dank der EU mittlerweile bessere Bedingungen daheim.

Früher hatte ich in meiner Firma immer wieder Rumänen als Saisonarbeiter zu Gast, die werden aber tatsächlich seltener.
Es gibt aber noch viele Osteuropäer, die den deutschen Mindestlohn, das Kindergeld, die Höchstarbeitszeit hier etc. zu schätzen wissen.
Verständlich allerdings, daß es weniger werden, die das zu Hause und die Familie für ein halbes Jahr verlassen möchte, wenn man gemütlich z.B. Dacia arbeiten kann.

Wieder 1/2Jahr rum und es wird immer wahnwitziger und surrealer.
BOJO und Hunt. Wie bei 60: Schlimmer geht immer.
Es ist unerklärlich wie 2 solche Menschen an die Spitze eines Landes rücken können.
Man muss sich einfach nur mal Speeches anhören und man fühlt sich an schlechtes Politikkabaret erinnert.

Am Meisten enttäuscht bin ich allerdings von Corbyn. Durch seine lasche Art hat er alle seine Trümpfe hanebüchen verspielt. Ich hab mir echt erhofft, dass er den Linksruck hinbekommt, anstatt dessen hat Ihm Nigel den Schneid abgekauft.

Das Land ist und bleibt zerrissen.

Mal sehen, wer dann letztlich PM wird und Trump den Hof macht.

Der Boris natürlich. Zumindest scheinen er und Trump schonmal denselben Friseur zu haben. Sowas verbindet doch. Außerdem ist Boris die einzige wirklich konsequente Fortsetzung des Irrsinns.

Besonders freue ich mich auch auf Frau von der Leyen als künftige Chefin der EU-Kommission. Die kann dann mit den durchgeknallten Inselbewohnern verhandeln.

Schade, Europa. Ich war einer Deiner größten Fans. Dich so sterben zu sehen schmerzt wirklich SEHR.

Flinten-Uschi verhandelt nicht, sondern marschiert ein.

Womit denn…? Mit der Altmetallhandlung, in die sie die Bundeswehr inzwischen verwandelt hat? Die kommen doch nichtmal mehr bis zum Tunnel…